
Aktuell ist Faschingszeit und die Tage war ich mit meiner Familie auf Kinderfasching.
Ich stand am Rand, habe zugeschaut – und innerlich genickt.
Polizist, Prinzessin, Superheld, diverse Tiere.
Kinder schlüpfen ganz selbstverständlich in Rollen.
Ohne Erklärung. Ohne Rechtfertigung.
Aus purer Freude.
Sie probieren aus, wechseln, legen ab.
Heute mutig, morgen zart.
Heute laut, morgen vorsichtig.
Und nichts davon muss begründet werden.
Während ich zusah, kam mir ein Gedanke – ganz emotionspädagogisch:
Welche Rollen wählen wir eigentlich als Erwachsene?
Welche fühlen sich leicht an?
Welche schwer?
Und vor allem: Mit welchen Gefühlen sind sie verknüpft?
Denn Rollen sind nie neutral.
Sie tragen Bedeutungen in sich:
„Die Starke“ – verbunden mit Durchhalten
„Die Vernünftige“ – verbunden mit Kontrolle
„Die Nette“ – verbunden mit Anpassung
„Die Verantwortliche“ – verbunden mit Druck
Viele dieser Rollen haben uns einmal gedient.
Sie haben uns geschützt, durch Zeiten getragen, Anerkennung verschafft.
Doch irgendwann bleiben wir darin hängen.
Aus Gewohnheit. Aus Erwartung. Aus Angst, etwas loszulassen.
Kinder wechseln ihre Rollen spielerisch.
Wir Erwachsene hingegen verwechseln Rolle und Identität.
Selbstführung beginnt dort, wo wir innehalten und uns ehrlich fragen:
Welche Rolle spiele ich gerade?
Ist sie eine bewusste Wahl – oder ein Automatismus?
Und was würde ich fühlen, wenn ich sie für einen Moment ablegen dürfte?
Vielleicht dürfen wir uns von den Kindern etwas abschauen.
Rollen ausprobieren.
Rollen wechseln.
Und uns selbst dabei nicht verlieren.
Mit Liebe,
HerzCoachJulia
